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Positive Leadership und Mindful Leadership

Mir ist bislang keine einheitliche Definition von "Positive Leadership" oder "Mindful Leadership" bekannt. Unter Positive Leadership verstehe ich die Verknüpfung moderner Leadership-Ansätze mit den Grundelementen der positiven Psychologie (z.B. PERMA-Modell) (Ebner 2019).

Beim Positiv Leadership steht entgegen den traditionellen Führungsansätzen nicht die Minimierung von Defiziten/Fehlern im Vordergrund sondern eher die Suche nach den individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen der Mitarbeiter, also was macht ein Mitarbeiter besonders gut, wie können seine positiven Ressourcen geweckt und erhalten werden (Bild).  Die Schwächen des Mitarbeiters werden dabei aber weder negiert noch ignoriert! Es erfolgt ein anderer Umgang damit, denn wer sich allein auf die Minimierung konzentriert läuft Gefahr Mitarbeiter mit einer mittelmäßigen Kompetenz / Leistung zu erhalten (Ebner 2019). Das Idealbild ist dabei die Abwesenheit von Defiziten / Fehlern und die Schaffung von überdurchschnittlichen Leistungen in einem oder sogar mehreren speziellen Kompetenzbereichen. Positiv Leadership entfacht beim Mittarbeiter Spitzenkräfte ohne ihn dabei zu "verbrennen" sondern entwickelt dauerhaft eine Begeisterung für die Arbeit[1].

Die Suche nach dem außergewöhnlich Gutem - Positive Psychologie

Bild: Die Suche nach dem außergewöhnlich Gutem (Rose 2019)
(Focus auf das Funktionierende)

Nach Epp (2016) lauten die 10 wichtigsten Effekte von Positiv Leadership wie folgt:

  1. Weniger Stress
    Deutliche Senkung von Stress-Erleben und psychischer Fehlbelastungen
  2. Weniger Absentismus
    Die Abwesenheitstage aufgrund von Krankheiten sinken deutlich.
  3. Weniger Zynismus
    Keine Emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und Zynismus sind die Hauptsymptome eines Burnout-Prozesses. Niedrigere Zynismus ist daher ein ausgezeichneter Schutzmechanismen gegenüber einer Burnout-Gefährdung.
  4. Geringere Kündigungsabsichten bei Führungskräften und Mitarbeiter*innen
  5. Gesteigertes persönliches (eudaimonisches) Wohlbefinden
  6. Höhere Kreativität und Innovation
  7. Erhöhtes Engagement und Flow-Erleben
  8. Erhöhe Arbeitszufriedenheit
  9. Höhere emotionale Bindung an die Organisation
  10. Steigende Produktivität

Das Mindful Leadership baut auf dem Positive Leadership auf und konzentriert sich noch mehr auf das Thema Achtsamkeit, Burn-Out-Prophylaxe, persönlichem Stressmanagement, MBRS-Methode ("Mindfulness Based Stress Reduction[2]"), Nachhaltigkeit und Wertschätzung. Es soll mit positiven Interventionen zu einer gesunden Leistungsfähigkeit (Hunziker 2015) und einem positiven Führungsstil führen[3]. Mindful Leadership soll Führungskräfte dabei unterstützen ein achtsamerer (gesünderen) Umgang mit sich selbst zu finden[4].

Es geht beim Thema "Positive Leadership" nicht um einen Kuschelkurs zwischen Führungskraft und Mitarbeitern, bei dem Defizite, zu geringe Leistung oder eine Nichterreichung von Zielen einfach akzeptiert werden. Umgekehrt darf es nicht sein, dass Erfolge nicht ihren gebührenden Raum erhalten („Nicht geschimpft ist genug gelobt“ (Epp 2016)). Es geht darum positiven Emotionen ihren Raum zu geben aber auch negative Emotionen zuzulassen, die Stärken zu stärken und ebenso daran zu arbeiten, dass die Schwächen unwesentlicher werden. Feiern sie ihre Erfolge, möglichst mit anderen zusammen. Das macht glücklicher!

[1] "Mit Begeisterung zur Arbeit. Mit Freude nach Hause, vgl. www.humortrainer.de (Niebuhr 2019)
[2] Gemeint ist i.W. Achtsamkeitstraining (Kabat-Zinn, J. (2014))
[3]  vgl. "Positiv führen" (Hunziker 2018)
[4]  also die Achtsamkeit auf Körper, Psyche und physiologische Stressreaktionen