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Psychische Belastungen am Arbeitsplatz und Positive Psychologie

Die Globalisierung und die Digitalisierung bei der Arbeit und in der Industrie fordern ihren Tribut. In den Unternehmen und bei den Dienstleistern (z.B. Behörden, Krankenhäuser) wird rationalisiert, gekürzt, ausgelagerte, zusammengelegt, umstrukturiert und flexibilisiert. Geführt wird dabei häufig anhand von Zielvorgaben[1].

Personaleinsparungen führen zu Überlastungen einzelner Beschäftigter oder ganzer Teams. So ist z.B. das schlechte Arbeitsklima sowie der emotionale Stress eines der stärksten Belastungen der Mitarbeiter am Arbeitsplatz, gefolgt von Überstunden und dem Druck der ständigen Erreichbarkeit (vgl. Bild). Diese Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen beeinflussen in vielfältiger Weise nicht nur unsere körperlich, sondern auch die psychische Gesundheit. Noch nie wurde über psychische Belastungen am Arbeitsplatz und deren Folgen so oft und mittlerweile auch offen gesprochen, wie in den letzten Jahren. Die von den Krankenkassen veröffentlichten Statistiken belegen, dass die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage in den Betrieben aufgrund einer psychischen Störung oder Erkrankung in vielen Berufen weiter ansteigen und zu einem der häufigsten Arten bei einer Krankschreibung geworden sind (Johann 2013).

Der Zuwachs bei den Kennzahlen verleitet aber leicht zu der Annahme, das psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen durch die Belastung am Arbeitsplatz pandemische Ausmaße angenommen hat. Dem ist nicht so! Die aktuellen Zahlen zeigen eher, das die Anzahl der Erkrankungen stagniert (vgl. Bild) und in Teilbereichen sogar leicht rückgängig ist (BBK Jahresbericht 2019; TKK Jahresbericht 2019).

Gleichzeitig wird aber auch an der Zunahme der Verschreibung von entsprechenden Arzneimitteln deutlich, wobei besonders die Berufe betroffen sind, die am Menschen arbeiten (z.B. Krankenpfleger, Krankenschwester usw.), dass die Zahl der psychischen Verhaltensstörungen (vgl. Bild) weiter hoch ist und deutlich über den Bundesdurchschnitt liegt.

Es geht nun darum, betroffene Mitarbeiter nicht auszugrenzen sondern einzubeziehen und das eigene Denken und Verhalten gegenüber diesen Menschen zu ändern, damit die Stigmatisierung sukzessive abnimmt. Es geht aber auch darum Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen im Betrieb durchzuführen, die Belastungsfaktoren zu erkennen und zusammen mit der Geschäftsführung Maßnahmen zu ihrem Abbau und zur Prävention zu starten.

Diese präventiven Gestaltungskonzepte in einer Firma treffen i.d.R. auf Widerstände aus den unterschiedlichsten Reihen, teilweise vom Befindlichkeitsgestörten selbst, und benötigen für ihre erfolgreiche Umsetzung in der Firma einen langen Atem.

Viele Betroffene sagen "Ich komme mir vor, als sei mir der Sprit ausgegangen." "Ständig geht mir etwas im Kopf herum, ich komme aus dem Grübeln nicht mehr raus und wenn ich geschlafen habe, fühle ich mich nicht ausgeruht", "Ich fühle mich zunehmend matt und müde".

Was können Betriebe tun, um den oft langfristigen Arbeitsausfall von Beschäftigten zu verhindern? Wie können Betriebe frühzeitig die Faktoren erkennen, die zu einer Fehlbelastung der Beschäftigten führen und diese entsprechend anpassen? Auf diese Fragen gebe ich in dieser Arbeit zumindest aus der Sicht des PERMA-Gedankens (Positive Psychologie) eine erste Antwort und nenne weiterführende Literatur zum Thema Mindful Leadership, intrinsischen Ressourcenaktivierung etc. (z.B. Seligmann 1990, 2000 2002, 2011, 2014, 2015 , Seligmann et al. 2000, ).

Hinzu kommt die weitere Entwicklung der psychischen Belastung auch im privaten Sektor durch das Internet und das Internet der Dinge (i.O.T.). Die meisten Menschen nutzen ein Smartphone oder einen Computer mit e-Mail, SMS, Social Media (z.B. WhatsApp, Facebook, Twitter), was viele Menschen unter einen permanenten Stress setzen kann. 

Die stärksten Beslastungen im Arbeitsalltag

Bild: Die stärksten Belastungen im Arbeitsalltag

Fehltage im Unternehmen

Bild: Fehltage wegen psychischer Erkrankungen weiterhin auf hohem Niveau

Somit sind wir nicht nur bei der Arbeit ständig erreichbar und verfügbar, sondern für viele Menschen gilt dies auch in der privaten Zeit. Mit Hilfe eines BGM, in dem die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz und darüber hinaus (also auch in der Freizeit) analysiert werden, können die Ursachen erkannt und geeignete Maßnahmen vor dem Hintergrund der jeweiligen betrieblichen Situation herausgearbeitet werden.

Psychische Belastungen und Belastungen am Arbeitsplatz

Bild: Psychische Belastungen und Belastungen am Arbeitsplatz

AU-Fehltage in Unternehmen - Erkrankungstyp

Bild: AU-Tage je Fall (BKK Gesundheitsbericht 2019) https://www.iww.de/ce/work-life/gesundheitsreport-2019-kranke-arbeitswelt-90-millionen-fehltage-wegen-psychischer-probleme-tendenz-steigend-f125683

DIN EN ISO 10075

Psychische Belastungen und Beanspruchungen sind nach der DIN EN ISO 10075 die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken. Psychische Belastungen bei der Arbeit resultieren z.B. aus den Anforderungen der:

Wissenschaftlich gesichert ist, dass die hier aufgezeigten beruflichen Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben:

Zudem belastet viele Beschäftigte der Gedanke an die Unsicherheit ihres Arbeitsplatzes vor dem Hintergrund kontinuierlicher Veränderungen in den Betrieben in Folge von Fusionen, Produktionsverlagerungen und sonstigen Umstrukturierungen.

Bei einer negativen Beeinträchtigung mobilisiert der betroffene Mensch seine ganzen Ressourcen (Wissen, Erfahrung, Fähigkeiten, körperliche und geistige Abwehrkräfte) um dieser Belastung stand zu halten. Ist dies mit den eigenen Ressourcen auf Dauer nicht zu bewältigen, ist das Risiko einer gesundheitlichen Beeinträchtigung / Erkrankung relativ hoch. Zur Vermeidung dieser Situation können in der Praxis zwei Möglichkeiten verfolgt werden:

Diese beiden Möglichkeiten können auch parallel umgesetzt werden. Das Maß für die Gefährdung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz hängt entscheidend von der Art des Arbeitsplatzes ab. Arbeitsplätze im Gesundheitswesen zeigen im Vergleich zum Durchschnitt aller Beschäftigten den höchsten Wert an, z.B. Altenpflege mit 42,9%. Das ist fast 80% höher als der Durchschnitt 23,5% (vgl. Bild 16).[2]

Aus dem BKK Gesundheitsreport 2019 geht hervor, dass ältere Beschäftige nicht häufiger an psychischen Krankheiten erkranken als Jüngere. Allerdings nimmt bei ihnen  die Krankheitsdauer pro Fall mit steigendem Lebensalter deutlich zu. Es fällt auf, dass Frauen deutlich mehr AU-Tage aufgrund von psychischen Störungen am Arbeitsplatz aufweisen als Männer. Der Grund könnte auch daran liegen, dass im besonders exponierten Gesundheitsbereich deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten.

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit

Bild: Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (BKK Gesundheitsbericht 2017)

[1] Die je nach Vorgabe eine hohe psychische Belastung für den Mitarbeiter bedeuten können.
[2] Man könnte auch sagen, je näher Menschen bei ihrer Arbeit anderen Menschen kommen und das Ganze Problembelastet ist (z.B. Intensivstation) desto höher die Gefahr der psychischen Belastung am Arbeitsplatz und die Gefahr eiern Erkrankung.